Alternativer Karneval?

 

Watt ess datt dann? Ess denn der Kölner Karneval nitt schon alternativ?

Nun, wahr ist, daß der Kölner Karnveval in seiner über 200jährigen Geschichte DIE Alternative zum täglichen Leben darstellte und Recht und Gesetz der Obrigkeit für eine gewisse Zeit ausser Kraft setzte. Preussen und Priester wüßten davon zu berichten, wenn sie denn noch was zu sagen hätten.

Wahr ist allerdings auch, daß nicht nur der Kölner Karneval, sondern Karneval allgemein immer mehr in Ritualen versinkt: Sitzungen mit überschaubaren humoristischen Einlagen, Tanzdarbietungen, die über die Jahre hinweg austauschbar geworden sind: "Tanzte dat Funkemariesche vun 2005 nit besser als dat Mariesche vun 2010? Und weed dat vun 2011 dat jenau su joot künne?" Et weed!

Demgegenüber präsentiert sich seit Jahren vor allem in Köln der "Alternative Karneval" - zumindest nennen wir ihn so: Hier wird mit viel Kreativität auf aktuelle Themen kritischer Bezug genommen, die Kostüme sind originell und waren (meist) vorher so noch nicht gesehen. Hier schreitet nicht der Offizier mit Gewehr, sondern der Müllmann putzt mit Besen. Spritzig und witzig sorgen die Organisatoren für stimmungsvollen Karnveval, wo dem Lachen die wichtigste Bedeutung zukommt.



 


Begründet wurde der alternative Karneval zweifelsohne vor mittlerweile 25 Jahren durch die "Stunker" (im Gegensatz zu den "Prunkern" mit ihren Sitzungen): So lange nun wird in der Stunksitzung (Gründungsmitglied: u. a. Jürgen Becker) Stellung bezogen zu Weltpolitik und Kölnpolitik (was für Kölner eigentlich dasselbe ist), so lange schon gibt es immer wieder Proteste durch die katholische Kirche. Dennoch sind die Stunker ihrer Zeit oft voraus, schon im Februar 2015 gab es eine deutliche Stellungnahme durch "Calli Calmund" zur Fifa:



 

 

Seit Jahren wird die Stunksitzung auch in einer verkürzten Version vom WDR ausgestrahlt und youtube sei dank, gibt es 90 Minuten Stunksitzung 2016 (und ja, die von 2015 auch) jederzeit verfügbar (die eigentliche Sitzung dauert über drei Stunden - da kann und "muss" der WDR ja viel kürzen...)

 

Zur Stunksitzungskritik und einigen Highligts gehts hier lang.

Mittlerweile gibt es in Köln noch mehr alternative Karnevalsangebote: Anläßlich des Golfkrieges entstand 1991 der Geisterzoch, ebenfalls in diesem Jahr wurde Fatal Banal gegründet, die sich als Alternative im alternativen Karneval sehen. Gab es zwischendurch die schwul-lesbische Rosa Sitzung, so wurde diese mittlerweile von einigen Mitgliedern in die Röschen Sitzung überführt: seit 2005 machen die "Rößchen" den Kölner Karneval mit zuletzt 7 Sitzungen in der 2010er Session bunter.


Karten für alternative Karnevalsveranstaltungen sind insbesondere für Auswärtige bisweilen schwer zu bekommen - und wer sich im Kölner Karneval nicht auskennt, muß bisweilen "die Katze im Sack" kaufen. Wir möchten die Alternativen im Kölner Karnveval vorstellen, nach Möglichkeit etwas im Voraus zu dem Programm 2011 sagen und Euch zum Vorverkauf informieren. Von daher rechnet mit weiteren Infos, bis dahin "Kölle Alaaf!".


P.S.: Für Veranstalter: Wenn Ihr Euch hier präsentieren möchtet, schickt uns einfach eine Mail.