Fatal Banal - eine fulminante Liebeserklärung an den Kölner Karneval

Fatal Banal Finale 2011

 

20 Jahre Fatal Banal, 20 Jahre alternativer Karneval in Köln Ehrenfeld - und keine Zeit, sich mit Ruhmeskritiken für Vergangenes aufzuhalten: Die Fatal Banal Sitzung 2011 ist die vielleicht frischeste, freudigste und karnevalistischste Sitzung, die die Ehrenfelder bisher auf die Bühne gelegt haben (für mich war es leider [!] erst die dritte Sitzung)! Was heißt hier "alternativer Karneval"? Man wünscht sich, diese Art Karneval zu feiern, wäre mal "alternativlos": So viel Freude, so viel Engagement, so viel Witz und doch zugleich so nah am Publikum dran - so muß, so kann Karneval im Veedel sein und wir schauen erwartungsvoll auf die nächsten 20 Jahre.
Die Session 2011 im Bürgerzentrum Ehrenfeld dauert rund dreieinhalb Stunden bei einer 20minütigen Pause - wie immer ist fürs leibliche Wohl kostengünstig gesorgt und Bier, Kartoffelsalat, Schnitzel und Würstchen sind auch für den kleinen Geldbeutel erschwinglich. Die Garderobe ist kostenfrei, Tip wird natürlich gerne entgegengenommen...

Fatal Banal Band 2011

Schon zu Beginn heizt die Fatal Banal Band mit Frontfrau Bärbel Nolden mit ihrer Version von Jump ordentlich ein. Ein absoluter Ohrenschmaus: immer wenn Higgi Damen ein Saxophonsolo spielen darf! Die Band ist ein absolutes Highlight und braucht sich vor anderen Begleitbands nicht zu verstecken - gerne bleibt man im Anschluss an die Veranstaltung noch etwas länger zur Party mit Livemusik. Doch auch zwischendurch werden gelungene Kompositionen wie "Das kann nur BP" gegeben.

Fatal Banal Ensemble 2011

Das Ensemble rund um "Präsi" Christoph Stubbe ist zu den Vorjahren weitgehend gleich geblieben und hat sich gefunden: man merkt, daß die Akteure sich gut verstehen und aufeinander eingespielt sind. Gleichzeitig sind es immer noch Darsteller "Us dr Nohberschaff", die man unter der Woche auch beim Einkaufen auf der Venloer Strasse sieht: nicht "zu" professionell, de Jung, dat Mädche vun nebenan - und dennoch mit ausserordentlichen schauspielerischen Leistungen.

Und die werden erbracht zu allen Themen rund um Ehrenfeld und den Rest der Welt: Der Bundeswehr werden neue Einsatzgebiete im pflegerischen Bereich anempfohlen, natürlich spielt der Fußball eine Rolle und immer wieder steht Köln und der Karneval im Mittelpunkt: Ob nun die Ehrenfelder vom türkischen Kioskbesitzer bis zum Einkäufer im Trainingsanzug bei Aldi zur "griechischen Woche" persifliert werden - man hat sie schon gesehen und kann lachend sagen: "Dat sind die Lück, die künne nix dafür..."

Fatal Banal 2011 Hessin

 

Schon traditionell und immer wieder komisch müht sich "Mutter" Susanne Herrmanns um ihre Tochter "Chantal", mittlerweile 17 und "immer noch" ohne Mann. Sabine Putzler als "Hessin, die jetzt in Köln wohnt" könnte man stundenlang zuhören, wenn sie "hessisch babbelt" - köstlich, ihre Erlebnisse mit der Bundesbahn, der GEZ und dem Fernsehverkäufer ("ich bin ja nicht blöd"...). Auch sonst überzeugt Sabine Putzler mit ihrer Präsenz, ihrer Originalität und ihrem Können jederzeit auf der Bühne und ist (gerade als Hessin?) eine absolute Bereicherung des Kölner Karnevals.

 

Doch so überzeugend die Leistungen des Ensembles, so souverän und gleichzeitig menschlich der Präsi (der eine schöne Version von "I did it my way" gibt") - die Nummer(n) des Abends gehört Rainer Braun-Paffhausen und Stefan Ostermann. Ihr "Dialog" zeigt, wie man mit wenigen Mitteln, wenn sie denn gekonnt eingesetzt werden, einen ganzen Saal in schallendes Gelächter versetzen kann. Zum Glück kommen Rainer und Stefan 3 x auf die Bühne...; Während vor der Pause eher Sketche und Rede im Vordergrund stehen, verschiebt sich nach der Pause der Schwerpunkt ein wenig in Richtung Gesang - eine Abwechslung, díe der Sitzung durchaus gut tut, kommt doch so eine gelungene Mischung aus Gelächter und Feiern zustande.

Fatal Banal 2011

Fatal Banal 2011 bietet (alternativen) Karneval vom Feinsten, eben nicht von Profis, aber fast immer professionell gemacht. Bliebe höchstens eines anzumerken: Das Kind, der Besöker us Sülz wußte gar nicht, daß die Ihrefelder Möhn so häufig krische... 

 Text/Fotos: ms/dk