Fatal Banal 2012: Das einzige, wofür Ihr noch kämpft, sind Eure Sitzplätze!

 

21 Jahre gibt es nun die alternative Karnevalssitzung "Fatal Banal" - und sie kommt dieser Jahr auch wieder mehr in den letzten Jahren etwas vermissten Bissigkeit daher.

Fatal Banal 2012 Six Jeck Sophie Mende

Ein gut gelaunter "Präsi" Christoph Stubbe führt durch ein buntes Programm mit neuen Sketchen, Fortführung bewährter Nummern (Chantal; die Hessin, Karnevalsvereinigung Roggendorf-Thenhoven) und eine glänzend aufgelegten neu formierten Band Six Jeck mit Frontsängerin Sophie Mende, die dem Publikum temperamentvoll und gekonnt einheizt. Es wird also schwieig, noch einen geeigneten Moment zu finden, um zur Toilette zu gehen. Also besser vor der Veranstaltung, damit Ihr nichts verpasst. Beeindruckend: Das Lied „Dein Hirn ist wie ein Sieb“, die sich bei Adeles „Rolling in the deep“ anlehnt.

Fatal Banal 2012 Mahnwache

Es gibt immer einen Grund auf die Straße zu gehen, jedoch wissen manche Demonstranten gar nicht mehr, wogegen sie demonstrieren und sie völlig umsonst den Chlodwigplatz blockieren (und uns irgendwie auch an Stuttgart21 erinnern) und andererseits wird dem Publikum angesichts von vermeintlichen "Dönermorden" und steigender Brutalität gesagt, daß es im Unterschied zu früher nur noch um seine Sitzplätze kämpft. Nun, immerhin kämpft es um Sitzplätze im Büze Ehrenfeld, das es ja auch nicht schon immer gab...

Dabei ruft doch der allseits präsente Präsi, der in dieser Session bei sehr vielen Nummern mitwirkt, an anderer Stelle zu Gelassenheit auf, denn: "et hätt noch immer joot jejange"; aber gut, hier ging es auch nur um die Eurobonds und die Wirtschaftskrise - und da kann die Welt „natürlich“ noch von Köln lernen. Überhaupt präsentiert sich Fatal Banal in dieser Session sehr international, gehen doch wiederum sehr viele Nationalhymnen auf kölsches Liedgut zurück. Zumindest, wenn man die alternativen Karnevalisten von Fatal Banal fragt.

Fatal Banal 2012 Präsi Christoph StubbeFatal Banal 2012 Hessin

Die Hessin, bewährt gut gespielt von Sabine Putzler, hat in diesem Jahr Schwierigkeiten mit ihrer Mutter: Egal, wie sie am Telefon reagiert - die Mutter spult einfach ihre Sprüche ab, wer kennt es nicht. Allerdings: auch für die Hessin gibt es da Überraschungen und komische Selbsterkenntnisse... ; jedenfalls muss sie an ihrer Einschätzung, daß es lustige Menschen und langweilige Menschen gibt, die meinen, sie wären lustig, dann doch noch arbeiten. Aber wir sind sicher: auch nächstes Jahr muss Sabine Putzler keine beigen Klamotten tragen.

Fatal Banal 2012 Chantalls Mutter

Die beliebte Mutter von Chantal hat es geschafft: Sie macht mit beim Frauentausch und ist in einem ernährungsbewußten Akademikerhaushalt als fürsorgliche Ersatzmutter unterwegs. Und wenn dann da Zettel hängen, dass Cola im Kühlschrank nichts zu suchen hat – ja dann muß sie eben warm getrunken werden. Und während man den Eindruck hat, daß Akademikers Tochter vielleicht noch was „lernt“, ist offenbar beim Akademikermann und Akademikersohn Hopfen und Malz verloren - aber es heißt ja auch "Chantals Mutter" und nicht "Kevins Mama". Hauptsache, es gibt Schnickers...

Wie in diesem Jahr fast überall zu sehen bietet auch Fatal Banal eine gelungene Hommage an Loriot: Allerdings wird die Hausfraufrage "Herrmann, was machst du da" nicht mit "Ich sitze" sondern mit "ich chatte" beantwortet. Keine Sorge, es gibt Anlass zu höchster Verwirrung, wobei man sich stimmlich und spielerisch sehr schön nah am Original bewegt. Ein "Muss" im Karneval für alle Loriot-Fans.

Beim Karnevalsverein Roggendorf Thenhoven wartet man vergeblich auf afrikanische Gäste – wie man vermutet, sind die zu spät, weil die Flüchtlingsboote dauernd absaufen. Immerhin ist man so freundlich, ihnen entgegenzugehen...

Fatal Banal 2012 Scharchen

 

Die Probleme des Schnarchens als Psychoterror werden urkomisch beleuchtet, wobei die entsprechende Geräuschkulisse als auch die Mimik der in Tiefschlaf versunkenen Akteure das Publikum in schallendes Lachen versetzt und wer bis dahin noch nicht auf Toilette war..... - hoffentlich sind nur die Augen feucht.

Fatal Banal – ein absolut sehenswerter karnevalistischer und zugleich aktueller Klassiker da wo Köln kölsch ist - einige wenige Karten sind noch für den Donnerstag, den 2.2. und für Dienstag den 14.2. bei Kölnticket zu bekommen – es lohnt sich.

 

Text/Fotos: ms/dk