Fatal Banal 2015: Gekonnt anfeiern gegen „beschissene Zeiten“!

 

Fatal Banal 2015 - Christoph Stubbe

Fatal Banal - „Präsi“ Christoph Stubbe nimmt traditionell kein Blatt vor den Mund, und so legt er bei der Premiere angesichts von Pegida und Charlie Hebdo auch gleich los: „Es sind beschissene Zeiten – es ist aber wichtig, das freie Wort zu führen!“ Und für alle, die Angst haben, packt er direkt den Anti-Angst-Koffer; gleich von Anfang an wird das Publikum in die Aufführung mit einbezogen und die Anti-Angst-Therapie wird auch später immer wieder fortgeführt.
 
Und es ist eine tolle, ausgesprochen kurzweilige und gut abgestimmte Aufführung ohne Längen, die das Publikum aufs Beste knapp drei Stunden unterhält. Herausragend dieses Jahr Frontfrau Sophie Mende der Hausband Six Jeck, die auch in einigen Sketchen federführende Rollen übernimmt.
 
Doch bevor es soweit ist, muss man ja erst einmal klären, was man zu Karneval überhaupt anzieht: Käuferin Susanne Hermanns kann sich da nur schwer wundern, was Verkäuferin Petra Luxenburger mittels verschiedener Apps ihr da an Beratung alles zukommen lassen kann: „laut Fisternöllche-App haben Sie eine Lippenfeuchtigkeit von 85% - sehr gut, dass mag auch ihr Vorgesetzter, der Herr Lehmann!“ Empfohlen wird ein spanisches Kostüm, „da sind die Röcke so schön weit“, denn: „die App sagt, sie sind fett!“.
 
Fatal Banal 2015 - KarnevalsappFatal Banal 2015 - Susanne Hermanns, Petra Luxenburger
 
So schön aufgewärmt, geht es für das Publikum gleich richtig böse in die Vollen: für die CDU gibt es ausser Wolfgang Bosbach aus Schäbbisch Gläbbisch keinen geeigneten Oberbürgermeisterkandidaten – findet jedenfalls die „zuständige“ Agentur „Publics Consulting Cologne“: „Der bekommt wenigstens eine Mitleidsbonus!“ Und der rund um die Uhr laute „Durchschnittskölner“ bekommt von der ab sofort wohnungssuchenden Hessin Sabine Putzler sein Fett weg: „Morgens um 4 schreit dann das Baby von nebenan – geh doch bitte mit was giftigem spielen!“. Andererseits: Wenn so viele böse kölsche Nachbarn die Hessin zu so einem gekonnten Auftritt treiben, muss sie da wohnen bleiben – für uns!
 
Fatal Banal 2015 - Publics Consulting CologneFatal Banal 2015 - Sabine Putzler
 
Die Band Six Jeck war zwar nie „nur“ Überbrückungsband zwischen den Nummern – doch in dieser Session ist sie eine tragende Säule von Fatal Banal. Choreographisch schön der „Gitarrensong“, wo sich die Musiker eine Gitarre teilen, denn angesichts schlechter Gagen hätten sie gerne „Geld für Instrumente“. Folgerichtig muss später die „reiche“ und „nervende“ Helene Fischer dran glauben „Atemlos durch die Nacht – jetzt habe ich sie umgebracht!“ wird intoniert.
Ja, Helene Fischer hat es schwer im alternativen Karneval. Stunksitzung, Deine Sitzung, Immisitzung, Fatal Banal – keiner mag sie. Andererseits fehlt es seit dem Abgang von Meisner auch an Symbolfiguren... - vielleicht tritt sie ja die Nachfolge an.
 
Fatal Banal 2015 - Six JeckFatal Banal 2015 - Helene Fischer
 
Sehr gut gelungen ist in dieser Session die Mischung bei Fatal Banal: Kurzweilige Sketche, musikalische Nummern, aktuelle Kritik auch an lokalen Begebenheiten (wir sagen nur: Primark – wer kauft denn da?), Anprangern der Ignoranz auch bei uns „Normalbürgern“ und die Lächerlichkeit manches Großkopferten wie Erdogan (die Moslems haben Amerika entdeckt!) lassen die Zeit viel zu schnell vorüber gehen. Abgerundet wird der Gesamteindruck durch ein angenehm sparsames Bühnenbild, welches auch die Umbaupausen sehr reduziert. Wenn die Schauspielerinnen und Schauspieler so präsent sind wie diese Session bei Fatal Banal, braucht es kein großes Bühnenbild.
 
Fatal Banal 2015 - Meinolf Schubert als MuratChantalls Mutter - Fatal Banal 2015
 
 
Fatal Banal 2015 - Scharia
Natürlich feiern Fatal-Banal-Fans auch diese Session ein Wiedersehen mit Chantalls Mutter: Dieses Jahr freut sie sich auf ein Vermögen, welches ihr per E-Mail avisiert wurde. Hoffentlich kollidiert diese Überweisung nur nicht mit der Kontoüberprüfung, die sie ebenfalls per Mail schon bestätigt hat...
 
Schön und wichtig, dass auch Fatal Banal sich vom Druck auf Satire nicht beeindrucken lässt und eindeutig Position bezieht für Meinungs- und Redefreiheit. Der Sketch „Das ist Scharia, wir sind doch zu Höherem geboren“, zeigt, dass man sich nicht versteckt.
 
Gelungen in diesem Zusammenhang die Neuintonation von „Ein bisschen Frieden“ zu den Klängen von „Final Countdown“.
Fatal Banal gibt an diesem Abend auch musikalisch eine Liebeserklärung an Köln – wir geben gerne eine Liebeserklärung an Fatal Banal. Leider sind alle Vorstellungen schon ausverkauft, aber vielleicht tut sich noch etwas über die Kartentauschbörse.
 

Text/Fotos: ms/dk 18. Januar 2015

 

Noch ein paar weitere Fotos...

 

Six Jeck - Fatal Banal 2015Six Jeck - Fatal Banal 2015

Six Jeck - Fatal Banal 2015 - Higgi DamenSix Jeck - Fatal Banal 2015 - Kay Müller

Fatal Banal 2015Fatal Banal 2015

Fatal Banal 2015 - Hartmut 'Ernesto' ErnstFatal Banal 2015 - Michel Mardaga

Fatal Banal 2015Fatal Banal 2015 - Murat

Fatal Banal 2015 - Sabine PutzlerFatal Banal 2015