Beurteilen Sie einen Menschen nie nur nach seiner (Vor-)Haut

 

Von der Bühne ins Publikum: Bei der Immisitzung überträgt sich die Lust am Karneval

 

Schlag auf Schlag geht es zu bei der diesjährigen Immisitzung - mit einem wirklich abwechslungsreichen und überaus kurzweiligen Programm wurden die knapp 200 Premierengäste im Bürgerhaus Stollwerck überaus gut unterhalten.

Es ist schon toll, wenn so ein gut einstudiertes und in sich stimmiges Programm drei Stunden wie im Flug vergehen lassen - mit über 50 Acts (die Moderation eingerechnet) bleibt keine Zeit, auch nur an einer Stelle Langeweile aufkommen zu lassen.

Immisitzung 2013 - Katja Solange Wiesner

Im vierten Jahr ist die Immisitzung im Kölner Karneval fest integriert - aber die Spielfreude noch grenzenlos und eine gut aufgelegte Truppe hat in dieser Session richtig Spaß am Karneval - die gut aufgelegte Präsidentin Katja Solange Wiesner feiert mit "ihrer" Truppe so richtig los und bei den zahlreichen Tanznummern merkt man dem Ensemble den Spaß an der Sache an.

Doch die Themen in diesem Jahr sind natürlich ernst: Das Bürgerhaus Stollwerck soll angesichts der Finanzlage der Stadt Köln geschlossen werden und Katja Solange Wiesner ruft zum Widerstand auf und droht schon einmal mit erneuter Besetzung. Wir meinen: das Geld der Stadt Köln ist nicht weg, es ist nur beim Esch-Fonds.

Natürlich ist das Hauptthema der Immisitzung die "Integration" und schon das Motto stellt klar: "Jede Jeck is von woanders" - im Fall der Immisitzung kommt das Team aus acht Ländern. Vor diesem Hintergrund ist es natürlich schwierig, beim Thema "Beschneidung" auf einen Nenner zu kommen und so beleuchten zwei Penisse - einer beschnitten, der andere unbeschnitten - in "Hart (!) aber fair (?)" alle Aspekte dieses Rituals. Unter anderem natürlich auch, ob unbeschnittene Penisse unter "ejaculatio praecox" leiden. Doch auch hier gilt das Resumee von Moderatorin Franka Blasberg: "Beurteilen Sie einen Menschen nie nur nach seiner Haut!" Uns erscheint aber auch der vorgetragene amerikanische Standpunkt schlüssig: "It's not the meat, stupid - it's the motion"!

Immisitzung 2013 - BeschneidungImmisitzung 2013 - Beschneidung

Am eindringlichsten und deutlichsten ist die Immisiztung, wenn es um lokale Themen wie die Schließung des Stollwerks oder Maulkorberlasse für Opernintendanten geht ("Das Schweigen der Könner").

Toll auch die Darstellung der 1 €-Jobber mit ihrem Job als Boje im Godorfer Hafen.

Am schönsten ist die Immisitzung bei Gesang und Tanznummern: Victoria Riccio traut sich was in einer Adele-Cover Version "Wir sind wieder hier" (statt "rolling in the deep")  und toll die "pump it up" Version getanzt von Josephine Emilie und Vicky Weissbrodt - die beide hier die "Ehre der Weissen" retten und unter Beweis stellen, daß sie jede Menge Rythmus im Blut haben.

Immisitzung 2013 - Josephine EmilieImmisitzung 2013 - Vicky Weissbrodt

 

Immisitzung 2013 - Puppenspieler

Wieder sehr schön gelöst.....

Während der Umbaupausen haben Puppenspieler Robby Göllmann und Andreas List als Geister eines deutschen und eines französischen Dombaumeisters das Wort - und kommentieren nach Herzenslust und in bester Waldorf und Statler Manier das Geschehen auf der Bühne und was sonst noch so in der Gesellschaft so vor sich geht.

 

 

Immisitzung 2013 - Liebesfilm im Gazastreifen

 

Auch in kritischen Momenten bekommt die Immisitzung die Kurve: So fängt die "Neuverfilmung von Gazablanca", einem Liebesfilm im Gazastreifen, zwar vielleicht sogar gewollt überkitschig an - wird aber durch überraschende Wendungen mittels eines palästinensischen Selbstmordattentäters unglaublich komisch.

 

 

Die Spielfreude des Ensembles übertrug sich auf das Premieren-Publikum, das begeistert mitging und oft schon während der Aufführung bei einzelnen Nummern Zugaben forderte. Im Unterschied zu anderen Sitzungen entwickelte sich das Publikum hier aber nicht zu einem Störfaktor, sondern ging einfach begeistert mit - ja, und auch geschunkelt wurde gerne. Vielleicht liegt dies daran, daß der Saal nur eine kleinere Publikumszahl zuläßt und man so einfach näher am Geschehen auf der Bühne ist. Bei dieser familiären Atmosphäre, wo alle - vom Darsteller auf der Bühne, der Band (die einmal komplett von der GEMA-Mafia erschossen wird) bis hin zur Cateringfrau Mama Zdenka und Team einen Riesenspass an der Aufführung haben, fühlt man sich im Publikum einfach wohl.

Aktuell (18. Januar 2013) gibt es noch Karten - wir empehlen: kaufen, hingehen, sich integrieren lassen! Oder heißt es intrigieren?...

 

Text/Fotos: ms/dk - 18. Januar 2013