Starke Immisitzung begeistert mit professionellen Choreographien

 

Zum fünften Mal geht die Immisitzung in eine Session und zum fünften Mal bieten Immis aus aller Welt ihren ganz eigenen Blick auf Köln und Karneval dar. Dabei ist die fünfte Immisitzung die beste ever - sie begeistert nicht nur durch Witz und Charme, sondern vor allem die Choreographien begeistern durch hohe professionelle Standarts.

Myriam Chebabi Immisitzung 2014
Dabei mußte man eigentlich etwas Angst haben - in den Vorjahren wurde die Immisitzung auch zu einem guten Teil durch die bisherige Präsidentin Katja Solange Wiesner geprägt und auch in vielen Punkten getragen. Da sie ein Engagement beim Henneschen Theater angenommen hat, war durchaus die Frage, ob die Immisitzung nun vielleicht an Kraft verlieren würde. Die Antwort lautet: Mitnichten! Mit der Brasilianerin und Immi-Urgestein Myriam Chebabi wurde ein würdige Nachfolgerin gekürt, die Katja Solange Wiesner nicht ersetzt - sondern die Schwerpunkte anders, aber ebenfalls druchweg gut platziert. Wo Katja kölsch und krachledernd war, ist Myriam oder besser: die brasilianische Jungfrau ImmiMymmi 1 mit süssem Akzent charmant. Wo Katja ganze Nummern bravourös alleine trug, präsentiert ImmiMymmi 1 das Ensemble - welches durch die Neuzugänge Francisco Rodriguez, Alice Eßer und "Wiedergängerin" Evgenia Tarutin gut verstärkt wurde. Evgenia war schon in der ersten Session der Immisitzung dabei.

Die wohl herausragendste Nummer ist wohl die mit Simeon Long als "schwuler Männermagnet aus der Innenstadt" in einer Dönerbude in Köln Chorweiler. Dabei gefällt nicht nur, wie das extrovertierte Präsentieren des Schwulseins (wie es bei einigen wenigen Schwulen vorkommt) und dem gekonnten Spielen von Klischees - auch die fast schon gelangweilte Selbstverständlichkeit, mit der die mitspielenden "Immis" aus aller Welt diese Extrovertiertheit achselzuckend zur Kenntnis nehmen ist bermerkenswert. Simeon Long erinnert in seinem Auftreten in diesem Sketch an Franklin Further, dem Transvestiten aus der Rocky Horror Picture Show. Das Publikum kommt während dieses Sketches nicht aus dem Lachen heraus.
 
Simeon Long Immisitzung 2014Immisitzung 2014 Simeon Long

Ebenfalls ungemein komisch: Myriam Chebabi als Lady Blabla. Gekonnt zeigt sie, wie mit geringen Lautverschiebungen die deutsche Sprache völlig andere Wege nimmt: "Ich krämpfe gegen die Verdrückung der Frauen" nimmt ihr das Publikum sofort ab, vor allem, da sie mit "grosen Sauspielern wie Johnny, der Depp" arbeitet.

Immisitzung 2014 Bosen
Natürlich ist nicht jede Nummer sensationell, manchmal schimmert ein wenig der Zeigefinger durch - vor allem, wenn man sich an die grosse Politik heranwagt. So ist der Boxkampf, ausgetragen in einem Boxring, zwischen USA und Russland inhaltlich von überschaubarem Wert. Doch hier kommt dieses Jahr eine andere, gut ausgebaute Stärke der Immisitzung zum Tragen: Wie insbesondere Alice Eßer und Evgenia Tarutin gegeneinander "kämpfen" - das ist gelungene Choreographie, da macht es Spaß, zuzuschauen und die Nummer gewinnt durch ihre ganz eigene Art der Aufführung ihren Wert. Hier hat wohl Regisseur Joschi Vogel ganze Arbeit geleistet.

Arbeit, die insbesondere beim Sketch "Tebartz-van Eltz" toll zum tragen kommt: Hier stimmt alles, die Ausleuchtung von "Gollum" Tebartz-van Eltz, die schauspielerische Leistung bei inneren und doch so lauten Zwiegespräch des bösen und des guten Gollums und natürlich auch die bitterböse Kritik: der Papst sollte mehr auf seinen (Petrus-)Ring aufpassen, "Gollum" Tebartz-van Eltz ist wirklich scharf darauf!
 
Tebartz von Eltz Immisitzung 2014Gollum Immisitzung 2014
 
Überhaupt kommen Freunde des bösen Humors sehr auf ihre KostenAuf die Idee, den Präsidenten der USA als "Darth Vader" zu bezeichnen, kommt man auch nicht alle Tage - auch wenn beide schwarz sind. Und die Darstellung von "Merkelchen im Schweineland" haut fast vom Sitz. Und wie heißt es im Lied der "Bademeisterin von Lampedusa" (zur Melodie von "Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien)? "Wir haben Angst vorm schwarzen Mann, was fürn Glück, dass er meist nicht schwimmen kann!"

Toll, wie hier immer wieder auf Mißstände aufmerksam gemacht wird - wobei die Immisitzung es dennoch schafft, einen vergnüglichen Abend zu bereiten. Schön ist, wie das Publikum durch zahlreiche gut gemachte und gelungene Gesangseinlagen immer wieder mitgenommen wird, unterstützt durch die hervorragende Band. Wie jedes Jahr werden die Umbauphasen gekonnt und bissig durch die Puppenspieler Robby Göllmann und Andreas List, die eine Art deutschen Statler und französischen Waldorf geben, nicht einfach überbrückt, sondern weggespielt.
 
Immisitzung 2014 BandImmisitzung 2014 Puppenspieler

19 Sitzungen finden statt, Stand Ende Januar sind noch nicht alle ausverkauft. Unsere Empfehlung: Hingehen!

 

Text/Fotos: ms/dk - 24. Januar 2014

 

Weitere Fotos:

 

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