Immisitzung 2015

 

Kölner, integriert Euch – bei der Immisitzung sind noch Plätze frei!

Am 15. Januar hatte die internationalste Karnevalssitzung Kölns eine gefeierte Premiere – Sie haben sie verpasst? Das wichtigste vorab: es gibt noch Karten!

Mit 23 Sitzungen insgesamt haben sich die Immis in dieser Session einiges vorgenommen, für Karnevalsjecken ist dies ein Glück: In fast familiärer Atmosphäre im Bürgerhaus Stollwerk hat man so 22 x die Gelegenheit, mit einem tollen Ensemble richtig Karneval zu feiern.

Immisitzung 2015 - Myriam Chebabi

Den Künstlern merkt man den Spass bei der Arbeit an – sie bieten ein Beispiel dafür, dass zwar jeder Jeck von woanders kommt, aber mit allen anderen Jecken wunderbar harmonieren kann. Und so heißt denn auch die schwungvolle Hymne, mit der die Sitzung beginnt „Jede Jeck ist von woanders“ - mittlerweile wird sie traditionell bei jeder Immisitzung gespielt und von der gut aufgelegten Immi-Band begleitet.

Charmant führt erneut Myriam Chebabi aus Brasilien als Jungfrau „ImmiMymmi I“ durch die Sitzung, in die sich Neuzugang Gracia Devaraj aus Indien souverän eingefügt hat.

Das Ensemble selbst besteht in dieser Formation seit mehreren Jahren und man merkt der Aufführung an, dass die Mitglieder sich gut verstehen.

Dies ist aber auch notwendig in einer ansonsten so disharmonischen Welt, der man dann auch viel mitzuteilen hat und gekonnt den Spiegel vorhält: Ob man sich nun über ein Land oder über einen Apfel streitet oder ob eine egomane Künstlerin in ihrer Ausstellung auch die Originalplanken eines untergegangenen Flüchtlingsbootes zeigt – sie kommt oft genug verrückt und albern daher, diese Welt. Und auch Köln ist oft genug albern: Herrlich dämlich werden immer wieder zwei Kölner Hooligans gegeben, die sich am Breslauer Platz u. a. ins Reformhaus verirren (form haus is besser als hinterm haus...).

Immisitzung 2015 - ApfelImmitsitzung 2015 - egomane Künstlerin

 

Immisitzung 2015 - Kölner Brücken

Pointiert und originell wird die Kölner Brückensituation dargestellt: Alle Kölner Brücken treffen sich beim Arzt, geben als „Privatpatient“ an (A1) oder erzählen sich ihre Krankheitsgeschichten: „Ich habe da eine Fahrbahnverengung...“ (Deutzer).

Umso schöner ist es, dass die Immis mit einigen tollen Nummern zeigen, wie Zusammenleben geht. Den wohl stärksten Auftritt hat Simeon Long (USA) als Conchita Wurst und seinem Song „Steif wie ein Penis“ und dem Motto „alles hat ein Gender, nur die Wurst hat zwei“: Simeon alias Conchita zeigt, was Schönheit ist!

Immisitzung 2015 - Conchita WurstImmisitzung 2015 - Conchita Wurst Finale

 

Immisitzung 2015 - Internationale Nachrichtensprecher

Überzeugen können auch Evgenia Tarutin als russische Nachrichtensprecherin und Charalampos Lavasas als griechischer Nachrichtensprecher. Choreographisch weiß das Ensemble insbesondere bei Tanznummern zu überzeugen, wo als Sängerin „gewohnt“ stark Victoria Riccio auftritt – fast ist es gemein, dass man sie schon aus den Vorjahren als außergewöhnliche Stimme kennengelernt hat.

Ebenfalls fast schon „wie gewohnt“: Die Puppenspieler Robby Göllmann und Andreas List, die mit scharfen Kommentaren und Witz alltägliches kommentieren und die Umbaupausen überbrücken.

Immisitzung 2015 - Selda Akhan

Versöhnlich und optimistisch der Schlusssketch, wo Kakerlaken in Köln feststellen, dass man hier nicht lange alleine ist, denn „Jeder Kölner ist ein Immigrant, weil jeder Immi wie die Mymmi erst hier seine Heimat fand.“

Bis diese Erkenntnis wieder von allen gelebt wird, braucht es die Immisitzung mehr denn je: Mutig, wie insbesondere Selda Akhan sich gegen Erdogan stellt, richtig, wie Myriam Chebabi sich mit Trauer zu Charlie Hebdo äussert: „Jede Religion ist gut, so lange wir durch Religion besser werden. Ich bin Immisitzung!“

Kölner haben noch die Gelegenheit, sich bei der Immisitzung zu integrieren...

 

Text/Fotos: ms/dk - 16. Januar 2015