Immisitzung: Was machen die "Negerköpp", wenn ein Schwarzer Mitglied wird?


2017 - die Immis sind mit der Immisitzung endgültig in Köln angekommen und bieten eine der charmantesten und familiärsten alternativen Karnevalssitzungen. Zum achten Mal präsentieren sich die Immis aus vieler Herren Länder mit einem dreistündigen Programm und dass auch jetzt noch Karten zu haben sind, überrascht: Denn die Sitzung ist nicht nur lohnenswert, sondern auch vergleichsweise preisgünstig.

Immerhin an insgesamt 23 Terminen begrüsst das Ensemble um die brasilianische Präsidentin "Immimymmi" Myriam Chebabi alternative Karnevalisten im Bürgerhaus Stollwerk und toleriert und integriert dabei auch Düsseldorfer.
Immisitzung 2017 KVB
Immer besser dargeboten werden dabei insbesondere "integrative" Sketche, wo sich die Immis auch selber auf den Arm nehmen: Wenn in der KVB Bahn die verschiedenen Nationen aufeinandertreffen und den anderen die jeweils typischen Vorurteile unterstellen, sind Lacher garantiert: So ist auch die Kommunikation zwischen Türken, Amerikanern und Tansaniern nicht einfach.

Andererseits bleibt natürlich die "deutsche" Integration im Fokus und wenn die AfD erst an die Macht kommt, wird es "spielerische" Deutschtests auf sächsisch geben: Nach dem umgekehrten Galgenmännchen-Prinzip werden den ausländischen Testabsolventen bei falscher Beantwortung die Extremitäten abgeschnitten.

Immisitzung 2017 Südstädter NegerköppUnd natürlich ist das Kölsche Grundgesetz in einem anderen Sketch für Immis nicht unbedingt ganz leicht zu ertragen: "kenne mer nit ,bruche mer nit, fott domet" und "watt fott es, es fott" verunsichert. Zwar gibt es bei der Abschiebung von der Stadt Köln für den Flüchtling "Blootwosch und Kölsch" - doch "dat Mädche bleev he!" Andererseits haben auch die Deutschen ihre Schwierigkeiten mit der Integration: Was macht der Karnevalsverein "Südstädter Negerköpp", wenn es den Anschein hat, ein Schwarzer wolle Mitglied werden? Zwar führt man den Namen seit 1923 ("und da gabs ja noch keine Diskriminierung"), aber wenn das Neumitglied nun beim Zoch vornewegmarschiert, könnten andere ja denken, dies wäre eine Quotenlösung...; Als Name bleibt wohl nur "Südstädter Obamas".

Nicht ganz so gelungen, weil eigentlich kein Sketch, ist die Kritik an den Entwicklungen rund um die Türkei und natürlich insbesondere Erdogan - inhaltlich absolut richtig, wird hier die Kritik nicht karnevalistisch oder spielerisch, sondern anklagend erhoben. Gerne hätten wir die Kritik kabarettistisch aufbereitet gesehen - andererseits hätten wir sie sehr vermisst, wäre sie nicht vorgebracht worden.

Gut dargestellt wird hingegen, wie Trump zu seinem Wahlprogramm kommt: Er hat seinen Friseur einfach immer wieder falsch verstanden. Immerhin bleibt eine Hoffnung, die musikalisch ausgedrückt wird: Eines Tages ist die Präsidentschaft Trumps "Verdamp lang her". Überhaupt hat es US-Amerikaner hart getroffen, natürlich wären sie jetzt lieber Kanadier.

Immisitzung 2017 VerkehrsmanagmentNeben internationalen Themen nimmt sich die Immisitzung natürlich auch Köln zur Brust: Nach Recherche von Präsidentin ImmiMymmi gibt es pro Jahr 12.000 Baustellen - da ist Stau kein Wunder. Vor allem nicht, wenn die Planungssoftware der Stadt unter anderem von einem Blinden, aber auch von Poldi nach eigenen Wünschen umgestellt wird.

Doch nicht nur die Sketche überzeugen (schöne Choreografie: "Tinder App") - insbesondere die Gesangsnummern werden beeindruckend dargeboten, wobei Victoria Riccio und Neuzugang Mirja Radovic hier glänzen. Die Begleitband ist allerdings zwar technisch gut, aber nicht ganz überzeugend in die Revue eingebunden. Dafür sind dieses Jahr die Puppenspieler Robby Göllman (Puppe "der Franzmann") und Andreas List (Puppe "der Dicke") besonders auffällig und souverän - ob sie nun Paninibildchen gegen Raucherbildchen tauschen oder nach der PKW-Maut die Müllemer Böötchen-Maut und Koitus Interruptus-Maut vorschlagen - die Pausen zwischen den Sketchen werden aufs vergnüglichste überspielt. Die Immisitzung in der Session 2017 unterhält aufs Beste und die angenehm familiäre Atmosphäre, die vom Ensemble geschaffen wird, kann man nicht beschreiben - die muss man fühlen. Also hin!

Text/Fotos: ms/dk  22. Januar 2017

 

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Immisitzung 2017 Mirja RadovicImmisitzung 2017 Puppenspieler