Die Röschensitzung sagt "Kölle Aloah"...
...und die Heten feiern mit.

Röschensitzung 2011

 

Alle Röschen-Sitzungen waren ausverkauft - nur die Sitzung am Freitag, dem 18. Februar war es nicht. Man sollte also nicht aufgeben und doch immer wieder mal auch kurzfristig nachfragen, ob zu einzelnen Sitzungen nicht doch noch Karten zu haben sind - denn den Künstlerinnen und Künstlern der Röschensitzung ist eigentlich eine ausverkaufte Sitzung zu wünschen: ein anspruchsvolles, ästhetisches Programm wird gekonnt in fast vier Stunden auf die Bühne gebracht, unglaublich souverän die Moderatoren, von hoher Qualität die Gesangseinlagen, professionell werden die originellen Darbietungen vorgetragen.

 

Interessant und rätselhaft auch das Publikum: einerseits ist es bereit, spontan, schnell und laut mitzugehen, mitzusingen und mitzufeiern - so wie es Künstler sich nur wünchen können. Andererseits hätten auch große Zicken Schwierigkeiten, die Ignoranz zu toppen, die große Teile des Publikums vortrugen, sobald es mal nicht krachledern was zu schunkeln gab: Da wurde sich unterhalten, das I-Phone vorgezeigt und im besseren Fall auch benutzt, schnell noch ein Bier bestellt und zu Essen geholt. Natürlich geht man bei einer Büttenrede dann auch gerne mal aufs Klo.


Verdient haben dies die Künstler nicht - sie wußten durch gute bis sehr gute Leistungen zu überzeugen.

 

Röschensitzung 2011 Party

Die Röschen Sitzung befindet sich in der 7. Session und es wäre wünschenswert, wenn in der 8. Session vielleicht noch zusätzliche Termine angeboten werden - denn das "Kölle Aloah" (statt des "Kölle Alaaf") verdient Verbreitung und wird hoffentlich auch mal am Rosenmontagszug vernommen. Doch aktuell führen Marion Radtke und Matthias Brandebusemeyer durch die "Nacht der apokalyptischen Untunten". Nicht tot zu kriegen sind sie, die Schwulen und Lesben in Köln-Mülheim, werden aber auch sorgsam begleitet von der heterosexuellen Dada Stievermann, die als "Schwulengabi Nr. 1" für alle Sorgen und Nöte der homosexuellen Welt ein offenes Ohr hat und diese gekonnt in einer Büttenrede wiedergibt - bevor sie denn zur Kathleen Turner "mutiert". Etwas seltsam mutete die Tanzgruppe "Burning Feet" an, die mit ihren Darbietungen auch bei einem heterosexuellen Sportereignis als Cheerleader hätten antreten können.

 

Röschensitzung 2011 - 3 sweet transvestites
Doch ansonsten wird ausgelassen schwul-lesbischer Karneval gefeiert:
Stimmlich herausragend ist Nina Klochinski ("Beiss mich"), die insbesondere im Gitte Haenning Musical ("Henning hat nen Mann") reüssiert und beeindruckt. "Karneval im Corner" zeigt, daß es Karneval in den beliebten Kneipen immer gleich ist, egal, ob Hete oder Homo: es ist zu voll, es gibt kein Bier und angesichts des Toilettennotstandes sollte man sich genau überlegen, ob man das, was denn da nach Bier ausschaut, auch tatsächlich trinkt... ; Köstlich das Musical, wenn ein von einem schwulen Paar adoptierter Junge sich im Erwachsenenalter als heterosexuell outen muß ("Ich freue mich auf Papa und Papa"). Doch wirklich grandios die Auferstehung von Vader Abraham und George Le Bonsai als Schlumpf: wir haben es immer geahnt, daß Schlümpfe nicht nur blau, sondern auch ganz schön versaut sind. Ästhetisch schön: die Vorführung des Zauberer Swann, der auch gekonnt mit Lichteffekten arbeitet. Auch die Nummer der Rocky-Horrer-Picture Show mit gleich drei "Sweet Transvestites" macht Laune.

 

Die schönsten Kellner (und natürlich auch Kellnerinnen) hat die Röschensitzung sowieso - sie hören auf so klangvolle Namen wie "Sensibelchen", "Schätzelein" oder auch "Sugardaddy". Doch das größte Rätsel dürfte für das zu rund einem Drittel aus Heten bestehende Publikum immer noch sein, wie die meisten Teile des Publikums angesichts des Geräuschpegels dennoch fast alles mitbekommen, was vorne gegeben wird - aufs Zuhören bezogen ist Multitasking kein Monopol der Frauen...

 

Wir freuen uns jetzt schon aufs nächste Jahr, wenn wieder Röschen gepflanzt und gegossen werden und dann spppriiiIIIISSSEN...

 

Text/Fotos: ms/Röschensitzung