Stunksitzung 2016/2017: Lachen ist unsere Art, die Zähne zu zeigen.

 

Die Angela Merkel der Stunker MUSS weitermachen

Terminlich vorher verhindert, waren wir bei der dritten Stunksitzung – ausgerechnet am Tag nach dem Berliner Attentat. Darf eine Karnevalssitzung an so einem Tag stattfinden? Stunksitzungspräsidentin Biggi Wanninger direkt vorneweg zu Sitzungsbeginn: „Sie MUSS sogar stattfinden! Lachen ist unsere Art, die Zähne zu zeigen!“

Allerdings wurden aus Pietätsgründen zwei Musik-Nummern aus dem Programm gestrichen. So startete denn wegen des Vorweihnachtsverkehrs die Stunker fast pünktlich – in unserem Falle Dienstag Abend in der Vorweihnachtszeit bedeutete dies, jetzt aber bitte alle Gesinnungsknöpfe im Hirn ganz schnell auf Karneval umstellen – gar nicht so leicht.

Auch diese Session ist die Stunksitzung mit 55 ausverkauften Vorstellungen der Spitzenreiter der alternativen Karnevalsveranstaltungen – und die Messlatte wird wieder sehr hoch gelegt: Was Professionalität, Qualität und natürlich Witz angeht, dürften andere Sitzungen auch 2016/2017 kaum an das Niveau der Stunker herankommen. Und so kennt die Stunksitzung eigentlich nur eine qualitative Hürde: sich selbst. Vielleicht wurden wir in den Vorjahren zu sehr verwöhnt, so dass nach unserem Empfinden insbesondere das choreografische Niveau dieses Mal nicht ganz erreicht wurde: eine stimmungsvolle Lichtspielnummer wie 2015 oder die „Geburt eines Tütenmenschen“ in 2014 haben wir etwas vermisst.

Doch auch 2016 ist die Stunksitzung bissig, kritisch und lustig und beackert lokale, deutsche und Weltpolitik und manchmal auch alles zusammen: So wird nach dem „Köxit“ endlich der FC wieder Meister (wenn auch von der Bundesrepublik Colonia) und wir hoffen auf internationale Spiele z. B. Zwischen Real Madrid und Grün Weiss Nippes. Gezahlt wird nach dem „Köxit“ in Flönz und auch die Sprache muss reformiert werden: „Selfistange“ heisst nach dem „Köxit“ „Bilderstöckchen“ und „Alzheimer“ wird zu „Merkenich“.

Problem: Weitere Stadtteile wollen sich abspalten und man muss künftig von IKEA in Godorf bis Deutz 12 x durch den Zoll…

Stunksitzung 2016/2017 Biggi Wanninger

Biggi Wanninger ist einfach die souveränste und coolste Karnevalspräsidentin der Republik – und zwar nicht etwa nur der Bundesrepublik Colonia, wenn sie spricht, hört der Saal zu! Dabei nimmt sie nicht nur andere, sondern natürlich auch sich selbst auf die Schippe: „Ich lasse mir meinen Milky Way of life nicht nehmen“ - auch dann nicht, wenn Zucker ungesund ist. Zur Not werde sie sich den Weg zum Grundnahrungsmittel mit Mozartkugeln frei schiessen und Kalorienbomben legen. Mit den Notvorratsvorschlägen von de Maizière kann sie allerdings nicht so viel anfangen: „Man weiss ja nicht, wann so eine Katastrophe kommt – man kann da ja was falsch einlagern und hat plötzlich Hämche im Sommer!“

Fester Bestandteil auch dieses Jahr: Biggi als Rainer Calmund, der dieses Mal die Fusion von Bayer und Monsanto scharf kritisiert: „Die Bayer Bosse haben als Kinder zu nah an der Hauswand geschaukelt“. Immerhin, der Gentechnik kann Calli etwas abgewinnen, wenn es auch nachher mit den Calli-Klonen am Buffet etwas eng wird…

Auffällig spielt Hans Kieseier, sei es als Donald Trump (der mit Rakete vom Publikum zum Mond geschossen wird) oder als IT-Sicherheitsberater der Stadt Köln. Für den „Hack“ am KVB-Fahrplan kann er nichts – denn die willkürlichen Zahlen sind dann doch der Originalfahrplan!

Stunksitzung 2016/2017 Anne Rixmann ist Angela Merkel

Die stärkste Parodie des Abends gibt aber Anne Rixmann als Angela Merkel – nur wegen Anne müssen wir auf die Wiederwahl hoffen, denn auch nächstes Jahr wünschen wir uns eine Merkelnummer der Stunker! Wobei: Sie hat ja eigentlich jetzt schon keinen Bock mehr und kandidiert nur, weil niemand anders gefunden wurde. Verstehen kann mans: 2016 war ein „Scheissjahr“ für sie, auch weil so viele gestorben sind – nur der Seehofer, der lebt! Am liebsten würde sie mit Putin die Krim gegen Bayern tauschen. Sie hat aber auch international viel um die Ohren – die Inselaffen mit ihrem inzestiösen Genpool und dann schreibt man mal ein tolles Gedicht – dann liest es der Böhmermann einfach vor!

Sinnlicher Genuss für die Augen: Die Darstellung des Glockenspiels im 4711 – Haus in der Glocken(!)gasse auf Hoverboards, natürlich eine touristische Attraktion. Zeitgleich wird der Touristentruppe Köln erklärt, wo die Oper kaputt ist und Musik in einer blauen Mülltüte gespielt wird.

Musikalisch bestens begleitet wird die Stunksitzung natürlich auch in dieser Session von Köbes Underground unter Anleitung von Ecki Häuser, der unseres Wissens bei jeder(!) Stunksitzung der letzten 32 Jahre aufgespielt hat. Ob nun „klassisches“ wie „Ti Amo“ zu „Thermomix“ oder aktuell „Musik sein“ zu „da müsste Gehirn sein“ umgetextet wurde – es ist immer ein Genuss. Super die Band der Eifelbauern mit selbst gebauten Instrumenten u.a. aus Blumentöpfen (Schlagzeug), Schneeschippe (Gitarre) und Gartenschlach (Blasinstrument).

Stunksitzung 2016/2017 Ecki HäuserStunksitzung 2016/2017 Köbes Underground

Wer keine Karten bekommen hat, kann die Stunksitzung auch im Fernsehen an Wieverfastelovend (gekürzt, 22:10 Uhr bis 23:40 Uhr) oder Karnevalssamstag von 0:15 – 3:15 im WDR anschauen.

22. Dezember 2016   (Text: ms / Fotos: wh)

 

Noch ein paar weitere Fotos...

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