Stunksitzung 2012 / 2013: Sensationell, professionell, kritisch, witzig - wir wollen MEHR!

 

Vergesst Kabarett, vergesst Comedy – wer die Stunksitzung in dieser Session im E-Werk gesehen hat, will von Komikern nichts mehr wissen! Dreieinviertelstunde nehmen sich die Stunker Zeit, abzurechnen mit Köln, mit dem FC, mit der Welt, mit der Bundesregierung, mit Assad, mitmitmit... - und vermutlich jeder Besucher würde sich freuen, wenn sie sich nochmal drei Stunden Zeit nehmen würden, denn man würde einfach gerne weiterlachen.

Stunksitzung 2012 / 2013 Männer des Ensembles

Eigentlich möchte man schreiben: gewohnt kritisch, gewohnt witzig läuten die Stunker diese Session ein – doch es stimmt nicht bzw. es stimmt nicht so, denn in dieser Session stimmt bei den Stunkern alles!

Präsidentin Biggi Wanninger: Super! Köbes Underground: Sensationell! Das Ensemble – Wow! Und Anne Rixmann als Angela Merkel – Weltklasse, und natürlich besser als das Original! Aber auch die männlichen Mitglieder des Ensembles zeichneten sich durch deutliche, körperliche Präsenz aus.

Soweit, so gewohnt, möchte man sagen und natürlich gab es in den letzten Jahren Nummern, die unvergleichlich sind und die daher auch dieses Jahr nicht übertroffen werden können – wir erinnern an die Hommage an die Bläck Föös zum 25jährigen Jubiläum

Doch die Stunksitzung in der Session 2012 / 2013 wartet mit einem sehr abgestimmten, in sich stimmigen Programm auf und setzt (wieder einmal) neue Akzente in der Choreographie. Über 3 Stunden wohlfühlen und lachen ist angesagt!

Natürlich ist auch dieses Jahr die KVB wieder Ziel der Kritik, denn an den Zuständen bei der KVB ändert sich ja leider – nichts. Doch für Kölner: Auch wenn Ihr schon häufig KVB-Kritiken gelesen und womöglich KVB-Sketche gesehen habt – der diesjährige KVB-Chlodwigplatz-Sketch ufert nicht aus, ist hart und gemeinerweise gerecht und ansonsten hat die KVB nur noch marginal etwas in dieser Aufführung zu suchen. Wie übrigens auch die katholische Kirche und Kardinal Meisner – "erstere kommt kaum, letzterer nur einmal drin vor: er bezieht sein neues Heim an der inneren Kanalstrasse - wir hätten auch nicht gedacht, daß man den Dom "noch schöner" machen kann...". Damit sind drei kölsche K's – KVB, Kirche, Kardinal - ganz ordnungsgemäß und hinreichend abgehandelt und man, entschuldigung Frau kann sich wichtigeren Dingen zuwenden.

Stunksitzung 2012 / 2013 Reiner Calmund


Das Thema "Fussball" kam im Programm auch nicht zu kurz.

So erläuterte Reiner Calmund seine Ansichten zum Fussball und zum FC. Wer etwas weiter von der Bühne entfernt war und sich auf das Gehör verließ war sich fast sicher, das Orginal von Calli steht auf der Bühne.

Nach einem kurzen musikalischen Statement zum FC („man quält uns seit Jahren auf unerträgliche Weise“) kommen die Stunker zu Wichtigerem: 

Biggi Wanninger sollte sich allerdings überlegen, ob Ursula von der Leyen wirklich ein Beweis dafür ist, daß Frauen die besseren Menschen sind – lustige Vorschläge hatte die Dame im letzten Jahr allerdings und die Stunker zeigen uns, wohin es führt, wenn „Schleckerfrauen“ (ein unsäglicher Begriff) denn zu Kindergärtnerinnen umgeschult werden.

 

Stunksitzung 2012/2013 Schleckermaeulchen

Passenderweise können leerstehende ehemalige Schleckerfilialen dann auch direkt zu neuen Kitas ausgebaut werden und heißen fortan „Schleckermäulchen“. Die „Regalpädagogik by von der Leyen“ wird anschaulich dargestellt, denn „wer Einzelhandel kann, kann auch Einzelkinder“ und folgerichtig werden die Kinderkartons gestapelt. Natürlich läßt sich dieses Modell noch fortführen – auch die Hells Angels, die 1 € Jobber und die „Kita Erwin Rommel“ der Bundeswehr profitieren vom Wissen der „Schleckerfrauen“. 

 

Stunksitzung 2012/2013 Koebes Underground

Köbes Underground, angeführt von Ecki Pieper zeigt seine Flexibilität und komponiert notgedrungen „aus dem Stand“ Lobeshymnen auf das Kölner Umland, darunter Leverkusen: „Alles was du brauchst hat Leverkusen – laß uns am Bayerkreuz schmusen...“ -

Naja, Köln ist dann wohl doch die attraktivere Stadt, auch zum Schmusen. Besser noch gefiel uns natürlich die "aktuelle Version" von Monsters of Men / Little Talks.

 

Stunksitzung 2012/2013Sehr schön choreographiert und wenn wir uns nicht täuschen mit musikalischen Anleihen bei Rammstein werden Leute mit Laubbläsern aufs Korn genommen – ein Auffrüstungsszenario, das nicht zu gewinnen ist:

„Jetzt wird jedes Blatt vom Rasen zum Nachbarn geblasen...; um dem Nachbarn was zu husten, muß ich immer pusten“.

Die drei „bewaffneten Nachbarn“ auf der Bühne sehen toll aus.

Stunksitzung 2012 / 2013

 

Stunksitzung 2012/2013 FC Milde Horde

Ob nun Hans Kieseier als "Chef der Milden Horde" zur Begleitpädagogin in der Fankurve feststellt:
"Du bist auch e Funz mit Abitur"
oder bei der "KG Lustige Kalledrisser“ sehr treffend kommentiert wird:
„Hormone im Blut – ich schleck Dir Deinen Zuckerhut“ -
gar nirgends wird in Deutschland in dieser Schlagzahl so punktgenau – ja was? - „kabarettisiert?“ „kritisiert“? „Witz gerissen“?

 

Die Stunksitzung ist in dieser Hinsicht einzigartig und doch auch auf eine ästhetische Art feinfühlig. Wie der syrische Bürgerkrieg plastisch und anschaulich „erklärt“ wird, übersteigt unsere Fähigkeit, dies in einer Kritik angemessen wiederzugeben. 

Stunksitzung 2012/2013Stunksitzung 2012/1013 Kritik

 

Hervorheben möchten wir aber noch Anne Rixmann, die die Angela Merkel in diesem Jahr noch besser als im letzten Jahr gibt und im Sketch und der altbekannten Serie „Willi Branderosa“ als „Mother Mutti“ die Jungs „Hoss“ Gabriel, „Adam“ Steinbrück und „Little Joe“ Steinmeier verprügelt – nachdem sie ihnen vorher das „Stimmvieh“ geklaut hat. Ist aber auch kein Wunder, denn selbst gegen Sarah „Wagenburg“ im Planwagen hat dieses Trio nur marginale Chancen...

Stunksitzung 2012/2013 Anne RixmannStunksitzung 2012/2013 Willy Branderosa

Also herzlichen Glückwunsch an Anne Rixmann - „she was born in the uckermark“ ist hier nicht beleidigend gemeint.

Wir wissen nicht, wie die Stunker dieses Programm im nächsten Jahr toppen wollen – aber wir können es schon jetzt kaum erwarten, sie wiederzusehen...

 

17. Dezember 2012   (Text: ms / Fotos: dk)